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Die T4-Aktion in der
Wittenauer Heilanstalt

Transporte in die
Tötungsanstalten

Die Ermordung behinderter
Kinder in Wittenau
 



»Euthanasie«

Die NS-„Euthanasie“-Verbrechen, die während des Zweiten Weltkriegs in Deutschland und in den besetzten Gebieten mindestens 300.000 Menschen das Leben kosteten, wurden in mehreren unterschiedlich organisierten Aktionen ausgeführt. Von jeder dieser Aktionen waren auch Patienten der Wittenauer Heilstätten betroffen.
Im Rahmen der sogenannten Kinder-Euthanasie wurden nach Angaben der Täter seit Sommer 1939 mindestens  5.000 Kinder „behandelt“, also nach Begutachtung in einer „Fachabteilung“ durch überdosierte Medikamentengaben getötet. Als Indikationen zur „Behandlung“ galten „Idiotie“ und „Mongolismus“, Mikrozephalie, Hy­drocephalus, schwere Mißbildungen (fehlende Gliedmaßen, Spaltbildungen) und schließlich Lähmun­gen einschließlich Little´scher Erkrankung (Sammelbegriff für zerebrale Kinderlähmung).
Die Gasmordaktion „T4“, benannt nach dem Ort der Planung in der Berliner Tiergartenstraße 4,  forderte zwischen Anfang 1940 und August 1941 mindestens 70.000 Opfer. Besondere Merkmale dieser Aktion waren die Geheimhaltung, ein erheblicher organisatorischer Aufwand bis hin zur Gründung einer Reihe von Scheinfirmen sowie ihre wirtschaftliche Autarkie durch betrügerische Abrechnung mit den Kostenträgern. Die Ermordung mittels Gas erfolgte in einem Verfahren, das bis hin zu den Duschattrappen in den Gaskammern erwiesenermaßen Vorbildfunktion für die sog. „Endlösung“ hatte.
Im Rahmen der sogenannten dezentralen Euthanasie der Jahre 1942-45 wurden bis zu 200.000 Menschen durch Nahrungsentzug oder Medikamente getötet. Bekannt geworden sind vor allem die Tötungsorte in Hadamar bei Limburg, Großschweidnitz in Sachsen oder in Meseritz-Obrawalde, östlich der Oder im heutigen Polen gelegen. Die Opfer wurden Nahrungsentzug, Nichtbehandlung von Krankheiten oder auch durch Vergiftung mit Medikamenten getötet.

Die Täter der »Euthanasie« fühlten sich immer auch als Reformer. Sie schafften altmodische Begriffe ab: Aus »Krüppeln« und »Idioten« wurden »Behinderte«, »Heil- und Pflegeanstalten« wurden zu »Kliniken«. Nach der Ära der Massentötungen sollte die Tötung wissenschaftlich genau klassifizierter Unheilbarer integraler Bestandteil des klinischen Alltags werden. Führende Vertreter der Psychiatrie, Neurologie und Kinderheilkunde und mehr als die Hälfte der deutschen anatomischen Institute arbeiteten offiziell mit den Organisatoren der »Euthanasie« zusammen.
In Berlin war dies vor allem das Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung in Berlin-Buch. Die dort gesammelten Gehirne von mehr als 600 Ermordeten werden heute noch im Frankfurter Max-Planck-Institut für Hirnforschung wissenschaftlich verwertet.